Fastenzeit 2022

40 Tage Abenteuer – Eine Einführung!

Ich habe eine ganze Weile nachdenken müssen darüber was ich von dieser Fastenzeit möchte, wie ich sie gestalten kann, so dass sie für mich stimmig ist und passt.
Oftmals ist uns viel zu schnell klar was es heißt die Fastenzeit: Ja, dann essen wir jetzt eben 40 Tage keine Süßigkeiten mehr

…außer vielleicht Sonntags, denn der Sonntag ist ja kein Fastentag! Und eigentlich beginnt der Sonntag in der kirchlichen Tradition ja auch schon am Vorabend, also am Samstag… hmm… also kann ich eigentlich auch schon am Samstag Abend beginnen Süßkram und Chips zu essen. Aber unter der Woche! Ja, unter der Woche halte ich das durch…. außer natürlich jemand bietet mir etwas an, denn dann ist es ja schier unhöflich das abzulehnen. Auch wenn jemand Geburtstag hat esse ich natürlich ein Stück Kuchen, das gehört sich ja so!…

Ich denke wir kennen sie alle, diese und ähnliche Gedanken, mit denen wir uns gut durch die Fastenzeit mogeln. Ich selber nehme mich da nicht aus. Natürlich fasten wir und sicher werden wir auf das eine oder andere Rippchen Schokolade verzichten, und das ist gut so, denn auch einmal bewusst auf etwas zu verzichten in unserer Wohlstandsgesellschaft, sei es das Mobiltelefon, die Schokolade, die Chips oder der Alkohol, ist wichtig und richtig um wieder ein Gefühl dafür zu bekommen wie gut es uns geht und welch Glück wir haben in einem solch reichen Land wie Deutschland zu leben.

Aber letzten Endes denke ich, die Fastenzeit will noch mehr von uns.

Was genau bedeutet die Fastenzeit für uns Christen überhaupt? Woher kommt sie? Was wird von uns als „guten Christen“ erwartet? Ist es tatsächlich der alleinige Sinn der Fastenzeit 40 Tage keinen Schokoriegel mehr anzufassen? Die Chipstüte zuzulassen und sich das gelegentliche Glas Rotwein oder Bier zu verbieten? Ich denke nein.

Die Fastenzeit mit ihren 40 Tagen hat, zumindest für mich, noch eine weit wichtigere Bedeutung!

Sie soll uns erinnern, an die 40 Tage, die Jesus unmittelbar nach seiner Taufe in der Wüste verbracht hat, weil „der Geist ihn dorthin führte“,wie es in der Bibel heißt.

Was genau Jesus in diesen 40 Tagen dort tat wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist, dass diese 40 Tagen sein Leben wohl auf den Kopf gestellt haben und er irgendwann in dieser Zeit beschloss dem Ruf Gottes und seiner Berufung zu folgen.
Sein Leben als Prediger und Prophet begann. Mit allen Konsequenzen.

Zurück zu der Frage: Was bedeutet Fastenzeit eigentlich? Warum ist sie wichtig? Und ist sie auch wichtig für mich? Ich denke ja. Vielleicht sollten wir aufhören die Fastenzeit als etwas zu sehen, was uns begrenzen, bestrafen und kasteien will.
Vielmehr sollten wir beginnen sie als Weg hin zu mehr Leben zu betrachten.

Ja, ich weiß, das Bild des Weges ist, schon ziemlich ausgelutscht, ständig soll man einen gehen. Den Weg der Erkenntnis, den Weg der Erleuchtung, den Weg in unser Innerstes, den Weg der Ahnen, den Pfad der Tugend… und was es nicht alles für Wege gibt.

Aber trotzdem ist das Bild des Weges für mich das Stimmigste.

Die Fastenzeit als Weg, hin nach Ostern. Als MEIN Weg, hin zum Leben.

MEIN Weg.

Ich denke dieser Aspekt ist hier sehr wichtig, denn wir haben zwar alle das gleiche Ziel und wir werden uns an unterschiedlichen Punkten dieses Weges vielleicht mal begegnen und uns über das austauschen, was wir erlebt und „gesehen“ haben, aber gehen, wird jeder von uns diesen Weg für sich.

Und das WIE, bleibt jedem von uns selbst überlassen.

Wichtig ist: Es gibt kein richtig oder falsch. Wichtig ist es in Bewegung zu bleiben, das Ziel fest vor Augen, aber jeder geht in seinem Tempo, mit den Hilfsmitteln die er braucht und mit der Intensität, die er leisten kann und möchte. Alles Kann, nichts Muss!

Grundsätzlich gilt: Geh deinen Weg mit offenen Augen und offenem Herzen. Nimm dankbar an, was dir geschenkt wird, sieh und höre aufmerksam auf das was dir auf deinem Weg gezeigt und erzählt wird. Und wenn du irgendwo festhängst und das Gefühl hast es geht nicht mehr, dann ruf um Hilfe! Dafür gibt’s Magnesium, heißen Tee, Rettungsseile und im Notfall auch die Bergwacht 😉

Aber nun noch eine ganz konkrete Idee wie man die Fastenzeit konkret gehen kann:

Ich begebe mich auf eine Abenteuerreise und wer mich auf dieser begleiten will ist herzlich eingeladen!

Das Ziel ist klar => Ostern

Die Dauer ist klar => 40 Tage

Die Ausrüstung ist klar:

  • Eine Kerze oder auch mehrere Teelichter,
  • einen Ort, an dem wir Dinge ablegen können, die uns vielleicht wichtig geworden sind und die dort bis Ostern gut liegen können
  • evtl. ein Notizbuch, falls wir uns etwas aufschreiben möchten
  • das Smartphone oder der Computer

Was uns begegnen wird? => Keine Ahnung. Wenn ich’s wüsste, wär’s ja kein Abenteuer mehr 😉

Zur praktischen Durchführung:

Ich werde hier ab kommenden Samstag, jeweils am Samstag Abend einen Impuls online stellen, der uns in der darauffolgenden Woche auf unserer jeweiligen Etappe begleiten soll oder besser gesagt, kann.
Wie gesagt, alle meine hier veröffentlichen Impulse sind eine Einladung darüber nachzudenken und sie mit in den Alltag zu nehmen, es besteht keinerlei Verpflichtung zu irgendetwas. Manchmal begegnet einem, wenn man offenen Auges geht, auch etwas ganz anderes, was viel stimmiger zu sein scheint. Dann nehmt gerne diesen Impuls zur Hilfe!

Ein spiritueller Wanderweg hat oft seine eigenen Regeln und Gesetze.

Sollte es Gesprächsbedarf geben, weil euch etwas nicht loslässt oder besprochen werden muss, und ich niemanden findet, der euch dabei helfen kann, dann meldet euch gerne bei mir.

Ich möchte hier gerne nochmal meine letzten Worte der Einführung wiederholen:
Grundsätzlich gilt: Geh deinen Weg mit offenen Augen und offenem Herzen. Nimm dankbar an, was dir geschenkt wird, sieh und höre aufmerksam auf das was dir auf deinem Weg gezeigt und erzählt wird. Und wenn du irgendwo festhängst und das Gefühl hast es geht nicht mehr, dann ruf um Hilfe! Dafür gibt’s Magnesium, heißen Tee, Rettungsseile und im Notfall auch die Bergwacht 😉

Nun möchte ich noch ein paar Sätze zu einem möglichen Tagesablauf während dieser 40 Tage sagen.

Jeder von uns ist gut beschäftigt mit Arbeit, Haushalt, Familie etc…. Das ist vollkommen klar und normal. Das es da an den meisten Tagen eher nicht möglich ist sich auszuklinken um tiefenentspannt und hochkonzentriert etwas Hochgeistlichem nachzuspüren, versteht sich von selbst. Aber das setze ich auch gar nicht voraus, denn genau dieser Alltag mit seinen stressigen und lustigen Momenten, mit seiner Ruh- und Rastlosigkeit und seiner Betriebsamkeit ist es ja, der den Weg der Fastenzeit zum Abenteuer macht.

Dennoch wäre es schön, wenn wir es schaffen würden, in diesem Weitergehen des normalen Alltags, den Morgen besonders zu beginnen und den Abend besonders abzuschließen. Damit geben wir dem Ganzen einen Rahmen und schaffen so ein Bewusstsein für die Besonderheit der vor uns liegenden Tage und Etappen.

Dabei kann es helfen Rituale zu schaffen.

Möglich wäre hier beispielsweise, den Morgen mit einem bewussten Aufrichten zu beginnen. Oftmals stehen und gehen wir sehr gebeugt. Niedergedrückt von den vielen Pflichten, Sorgen, Ängsten und Verpflichtungen die anstehen. Vielleicht schaffen wir es ja in den kommenden 40 Tagen uns jeden Morgen, wenn wir aus dem Bett steigen, bewusst aufzurichten, dreimal tief durchzuatmen und den Tag so, mit aufrechtem Gang, gestrafften Schultern und erhobenem Haupt zu beginnen.

Beenden könnten wir den Tag dann zum Beispiel damit, dass wir eine Kerze anzünden und ein paar Minuten den Tag Revue passieren lassen. Was ist alles passiert. Was war gut, was weniger. Vielleicht möchtest du auch jeden Tag einen oder mehrere Glücksmomente sammeln oder Dinge in dein Notizbuch schreiben, für die du dankbar bist.

Von Ignatius von Loyola stammt der Ausspruch: „Gott suchen und finden in allen Dingen“.

Ich glaub das trifft das, was wir nun tun wollen in den kommenden Tagen, auf dem Weg nach Ostern, ganz gut. Offen sein für das was kommt, für das was uns an Göttlichem begegnet. Um uns herum und in uns selbst.

Manchmal wird es uns vielleicht gut gelingen, manchmal auch nicht.

Und beides ist in Ordnung, denn alles kommt zu seiner Zeit.

In diesem Sinne nun: Auf ins Abenteuer.