2. Advent 2022

Als ich letzten Sonntag einen ausgiebigen Spaziergang mit meinem Mann machte, kamen wir an diesem Baum vorbei.

Zuerst brachte er mich zum Lächeln wie er da stand, mit seinen bunten Kugeln, den Glöckchen, den Bildern und Sternen.

Dann las ich einen der Texte, die ebenfalls an dem Bäumchen hingen und wurde nachdenklich….

Der Text, war aus der Sicht des Baumes geschrieben. Jemand hatte ihm eine Stimme gegeben. Der Text erzählte von der Traurigkeit des Bäumchens, wenn ihm, während des größten Teils des Jahres, keiner Beachtung schenkte und von seiner Vorfreude auf die Advents- und Weihnachtszeit, wenn er, dank der Hilfe einiger liebevoller und fleißiger Hände, wieder sichtbar werden würde.

Dieser Text berührte mich, berührt mich noch immer. Wie oft verliere ich selbst etwas oder jemanden in meinem Leben aus dem Blick?!
Wie oft verliere ich etwas oder jemanden aus den Augen, weil es/er zu leise, zu unscheinbar ist.
Wie oft ist diejenige, die ich aus dem Blick verliere, ich selbst!?

Vielleicht ist es an der Zeit in der kommenden Woche einmal verstärkt auf das Leise, Unscheinbare zu achten und ihm den Raum zu geben, den es braucht und verdient hat…

In diesem Sinne, einen besinnlichen zweiten Advent und eine gute Woche!
Andrea

1. Advent 2022

Als ich heute morgen aufgewacht bin, kam mir die erste Zeile eines Kanons in den Sinn, den ich, seit meiner Kindheit, mit der Advents- und Weihnachtszeit verbinde:

„Mache dich auf und werde Licht…“

Der ein oder andere kennt diese Worte, dieses Lied vielleicht.

Mache dich auf und werde Licht.

Das klingt schön… und so einfach… geh einfach raus, mach dich auf den Weg und werde Licht. Und indem du Licht wirst, sende das Licht auch hinaus in die Welt und gib denen davon ab, deren Leben in Finsternis liegt.

Mache dich auf und werde Licht!

Diese Worte, so wie sie da stehen, können aber auch überfordern. Was, wenn ich mich nicht aufmachen kann? Wenn ich zu erschöpft, zu müde, mein eigenes Leben um mich herum zu finster ist? Was, wenn die Kraft fehlt? Wie soll ich Licht werden, woran soll ich mich entzünden, wenn alles in mir scheinbar erloschen und dunkel ist? Wenn sich Traurigkeit und Trostlosigkeit, Sorgen und Ängste die Hand geben und für das normale Leben kaum mehr Kraft übrig bleibt?

Mache dich auf…

Was, wenn ich mich gar nicht auf den Weg machen muss? Was wenn ich einfach da sein darf, wo ich gerade bin, mit all meinen Gedanken, Sorgen und Ängsten. Wenn diese Aufforderung Gottes „Mache dich auf“, mir, in meiner Situation etwas ganz anderes sagen möchte. Wenn er mir zurufen möchte: Öffne dich! Mach die Türen deines Herzens, deiner Seele auf. Auch wenn es nur ein kleiner Spalt ist. Gib mir die Möglichkeit, dir einen Funken hineinzusetzen, der sich entzünden darf, wenn du so weit bist. Der es wieder Licht werden lässt in dir, der dir Hoffnung und Zuversicht schenkt und die Gewissheit, dass alles zu einem guten Ende führen wird.

Mache dich auf und werde Licht.

…zuerst in Dir und dann, wenn du etwas übrig hast, von diesem Licht, wenn es dich so erfüllt, dass es überstrahlt, dann gib etwas ab davon, dann gehe hinaus und und werde Licht oder gar Leuchtturm für andere. Aber erst dann. Sei achtsam mit dir und sorge für dich und das Licht, das dir geschenkt wird.

Mache dich auf und werde Licht!

Ich weiß, dass es manchmal schwierig ist in der Hektik des Alltags, den Problemen, Sorgen und Nöten der Zeit und des eigenen Lebens, Lichtmomente zu entdecken. Momente, die die Chance haben, den kleinen Funken in uns, der oben erwähnt wurde, zu nähren, zu pflegen und zu füttern.

Vielleicht ist die kommende Adventszeit eine Möglichkeit, um bewusst nach solchen Lichtmomenten zu suchen. Jeden Tag.

Ich persönlich, werde ab dem 1. Dezember, jeden Abend einen kurzen Tagesrückblick halten und dabei besonders auf solche Lichtmomente achten. Wenn ich einen finden sollte, werde ich mir diesen aufschreiben und dafür ein Teelicht entzünden, in der Hoffnung, am heiligen Abend ein Lichtermeer aus 24 Kerzen mein eigen nennen zu können.

Vielleicht ist das auch für den einen oder anderen von euch eine Idee. Wenn ja, fühlt euch herzlich eingeladen mir dies gleichzutun. Lasst uns die Welt dadurch ein Stückchen heller machen. In und um uns herum.

In diesem Sinne einen guten Start in die erste Adventswoche,
Andrea

Kartenhäuser….

….sind wunderschön, brechen nur manchmal in sich zusammen….

Ich baue für mein Leben gerne Kartenhäuser. Das habe ich auch als Kind schon gerne gemacht. Zuerst mit „Bierfilzle“, wie die Bierdeckel bei uns in Bayern heißen, später dann auch mit Spielkarten. Nachdem ich meist eine recht ruhige Hand und ein gutes Gespür habe, bin ich damit meist gut zurecht gekommen und habe durchaus beachtliche Kunstwerke bauen können. Allerdings waren sie leider nie wirklich stabil. Sehr oft kam es vor, dass ein Luftzug oder auch ein kleines Geschwisterkind, dem Vergnügen ein jähes Ende setze und ich frustriert und unglücklich zurückblieb.

Dieses Bild der Kartenhäuser kam mir erst diese Woche wieder in den Sinn. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich diese Kartenhäuser, im übertragenen Sinne, auch in meinem Leben baue. Immer wieder. Kartenhäuser, um davon abzulenken wie ich wirklich bin, wie es mir wirklich geht, um zurechtzukommen in einer weitgehend normierten Welt, die nur leider in weiten Teilen anders genormt ist wie ich.

Ich erschaffe eine, manchmal ziemlich fragile, aber kunstvolle Illusion, um es den Menschen in meinem Umfeld recht zu machen. Ich treffe mich, obwohl ich eigentlich meine Ruhe bräuchte, oder ich gehe zum Essen in ein Restaurant, obwohl es mir eigentlich viel zu voll ist und die Speisekarte viel zu viel Auswahl bietet, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ich überfordere mich absichtlich, um das zu haben, was man ein funktionierendes Sozialleben nennt. Und das Ende vom Lied? Ich kann im Anschluss nicht schlafen und brauche mehrere Tage, um mich zu erholen. Und sollte es tatsächlich doch einmal passieren, dass ich bereits im Vorfeld so überfordert und erschlagen bin, dass ich ein solches Treffen einfach nicht leisten kann, dann erfinde ich Ausreden. Inzwischen bin ich richtig kreativ in diesem Bereich. Und meistens merkt man auch gar nicht, dass es Ausreden sind. (Amüsanterweise meinen viele aber ich würde eine Ausrede suchen, wenn ich einmal tatsächlich die Wahrheit sage, wie etwa, dass ich mich wegen hoher Coronazahlen im Moment mit niemandem treffen möchte. Zumindest nicht in geschlossenen Räumen. Weil ich es als unverantwortlich empfinde. Das wiederum kann sich kaum jemand vorstellen und meint ich hätte einfach Angst, möchte das aber nicht sagen… …und da soll man nicht verwirrt sein… )

Die Frage, die mich nun seit dieser Woche ernsthaft beschäftigt, ist: möchte ich das wirklich immer so weitermachen? Möchte ich die ganze Zeit Illusionen aufbauen und Ausreden erfinden, oder, um es noch eine Spur härter auszudrücken, möchte ich wirklich mein Leben lang allen Menschen in meinem Umfeld etwas vorlügen, nur damit sie meinen, ich wäre so normal wie sie und hätte immer und jederzeit Spaß und Freude an dem, was sie selbst toll finden? Aus lauter Angst, ich könnte sie enttäuschen und würde dann als Konsequenz weniger „geliebt“?

Was würde denn passieren, wenn ich genau das sein lassen würde? Wenn ich endlich beginnen würde, diese vermaledeite Maskerade wirklich nur noch dann zu betreiben, wenn es wirklich notwendig ist? Sollten Freundschaften so etwas nicht aushalten können? Sollte es in einer Freundschaft nicht auch darum gehen, was mir selbst gut tut? Ist es wirklich ein „geliebt“ sein, wenn man es nur dem Gegenüber recht zu machen versucht, sich selber darüber aber komplett aus dem Blick zu verliert?

Vielleicht ist es Zeit, das größte Kartenhaus, mit seinen vielen kleinen, tatsächlich in sich zusammenfallen zu lassen und eher ein Haus aus Holzbauklötzen zu bauen. Das sieht zwar nicht so beeindruckend, leicht und kunstvoll aus, es ist aber stabil. Und es entspricht mir. Ich brauche Stabilität und Sicherheit, Klarheit und Wahrhaftigkeit und die Möglichkeit zu wissen, dass mein Haus auch noch steht, wenn ich mal nicht so gut darauf aufpasse. Ich möchte einfach endlich aufhören mich zu verkleiden und aus der Deckung kommen, hinter der ich sitze, seit ich denken kann. Leicht werden wird das nicht, das ist mir klar, denn nach etwas mehr als 40 Jahren Maskenball, muss man sich erst mal in der eigenen Realität zurechtfinden.

Also dann… wo sind die (bunten!! am besten mit Glitzer!!!) Bauklötze? 🙂

Stimmungsbild

Ich bin überfordert. Hoffnungslos… von allem und jedem. Am liebsten möchte ich im Moment keinen Menschen sehen, nicht sprechen, mich einfach irgendwo verkriechen, und schlafen. Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen fällt mir schwer, alles ist zu viel. Selbst die einfachsten Dinge, egal ob im Haushalt oder sonst wo überfordern mich …

Es ist mir alles zuviel. Die Situation in der Ukraine, die immer noch aktuelle, wenn auch komplett in den Hintergrund getretene Pandemie, die langanhaltende Ungewissheit im beruflichen Kontext und nicht zuletzt auch noch der ganz normale Wahnsinn, denn es sowieso tagtäglich zu bestehen gilt.

Um gleich allen vorwegzugreifen, die mich jetzt mit ihrer Hilfsbereitschaft liebevoll umfangen möchten: Eure Sorge und euer Mitgefühl ehrt mich und ich möchte euch dafür danken, aber eigentlich sind solche Phasen in meinem Leben doch ganz normal. Ich kenne sie, seit ich denken kann. Genauso wie regelmäßige Nervenzusammenbrüche und auch Shutdowns, die dann dazu führen, dass ich die Kommunikation komplett einstelle bzw. einstellen muss, weil ich mich im „normalen Leben“ überhaupt nicht mehr zurechtfinde. Manchmal, wenn auch Gott sei Dank nur sehr selten, ist es sogar so schlimm, dass ich tatsächlich nicht mehr kommunizieren kann, denn ich verstehe zwar die Worte, die mir gegenüber ausgesprochen werden, kann sie aber keiner Bedeutung mehr zuweisen… Irgendwie fährt sich mein Körper in solchen Situationen komplett herunter. Soweit bin ich aktuell jedoch (noch) nicht und hoffe die Situation wieder so in den Griff zu bekommen, dass es auch nicht so weit kommt. Aber es ist schwierig, denn dazu müsste ich meine eigenen Grenzen erkennen und innehalten wenn ich an ihnen angelangt bin. Klingt eigentlich ganz einfach… eigentlich…ist das aber ganz schön schwer, wenn man zwar sehr schnell die Grenzen des Gegenübers erkennt, die eigenen aber regelmäßig mit Schmackes überrennt, weil man sie einfach nicht sieht oder es auch gerade nicht als passend empfindet sie zu respektieren.

Ich habe häufig Schwierigkeiten damit mich selbst wahrzunehmen. Meine Bedürfnisse, meine Wünsche, meine Ziele (oder auch einfach nur meine Außenwirkung, aber das ist hier heute nicht das Thema). Von klein auf habe ich mir angewöhnt mich an meinem „außen“ zu orientieren. Genau zu beobachten um entsprechend zu reagieren. Schon vorher zu wissen, was geschehen wird, was jemand von mir möchte und wie ich mich dann akut verhalten muss um handlungsfähig zu bleiben. Wie es mir dabei geht, hab ich mich (zumindest soweit ich mich erinnern kann) nie gefragt, denn das war für mich nicht relevant. Ich wollte einfach nur so etwas wie Harmonie mit dem um mich herum erreichen. Wenn das bedeutet hat zurückzustecken oder auch mich zu verbiegen, dann war das in Ordnung. Hauptsache alles war „scheinbar“ gut.

Harmonie… sie war und ist es auch immer noch, (über)lebenswichtig für mich. Ohne sie kann ich dauerhaft nicht leben. Disharmonie halte ich nur sehr schwer aus. Im Leben wie in der Musik.
Natürlich gibt es auch in meinem Leben Konflikte. Wir Menschen sind alle sehr verschieden, keiner ist wie der andere, da bleiben disharmonische Töne und konfliktreiche Situationen nicht aus, aber diese kläre ich, so es irgendwie in meiner Macht liegt.
Ich weiß, dass solche Geschehnisse wichtig sind und scheue mich auch nicht davor, denn sie sind nötig, damit wirkliches Leben stattfinden kann. Schließlich kann auch ein kleiner, friedlicher Bach unter bestimmten Umständen zu einem reißenden Fluss mutieren, vieles mitreisen und zerstören, bevor er in sein Bett zurückfindet. Aber manchmal braucht es so etwas vielleicht auch einfach.
Oder, um es mit den Worten von Charles Chaplin zu sagen:

„Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !“

Solche Phasen wie die momentane mit ihren vielen Unklarheiten, Konflikten in allen Bereichen, den vielen unausgesprochenen Sorgen, Ängsten und Nöten, die dennoch deutlich spürbar und für mich fast greifbar vorhanden sind, machen mir mein Leben gerade etwas schwierig und kompliziert. Es sind zu viele Baustellen. Ich komme mir vor wie ein Architekt der das erste mal auf einer Großbaustelle steht, auf der an jedem Eck eine andere Baufirma bereits begonnen hat zu bauen. Ganz so wie sie selbst es für richtig hält. Und jede einzelne dieser Firmen ist natürlich auch davon überzeugt, dass das was sie tut, dass einzig Wahre und Richtige ist. Die Abstimmung fehlt, über ein Miteinander wurde überhaupt nicht nachgedacht und Kompromisse sind gar nicht erwünscht weil es nicht als notwendig empfunden wird. Das Einzige, das vielleicht noch möglich ist, ist ein: Ich lass dich, du lässt mich. Ich machs wie ich will und du machst es wie du willst. Sprechen über unsere unterschiedlichen Ansichten tun wir aber nicht, denn das möchte ich nicht. Wir tun einfach so, als gäbe es diese ungeklärten Fragen und Flecken zwischen uns nicht.

In dieser Pandemie hab ich gelernt, dass ein großer Teil der Menschen so scheinbar leben kann. Ein anderer Teil lebt die totale Konfrontation, in der es auch nicht möglich ist ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen, da erwartet wird, dass ich am Ende der Diskussion doch bitte die Meinung meines Gegenübers anzunehmen habe. Ganz ehrlich: Ich kann das Beides nicht!
Für mich fühlt sich beides an, als müsste ich über ein Tretminenfeld laufen, nie wissend wann es mich erwischt und das strengt mich auf eine schier unglaubliche Art und Weise an, so dass da an Genuss und Wohlbefinden oder ein entspanntes Miteinander, nicht mal im Traum zu denken ist.

Ich bin ein sehr klarer und freiheitsliebender Mensch und um mich wohlzufühlen, brauche ich auch eine solche Kommunikation. Wir müssen nicht einer Meinung sein, aber wir müssen über unsere Unterschiedlichkeit sprechen und vielleicht auch diskutieren können. Denn nur so haben wir die Möglichkeit uns wahrhaftig zu sehen und zu verstehen und das ist es doch, was uns wirklich vorwärts bringt, was wahre Gemeinschaft ausmacht.

Ich bin ein Mensch, dem es wichtig ist Brücken zu bauen oder auch Brücken zu erhalten. Auch ich bin durchaus in der Lage eine sehr klare Meinung von einem Thema oder zu einem Menschen zu haben. Doch meist dauert es nicht lange und ich möchte verstehen was „die andere Seite“ ausmacht, was sie antreibt. Ich kann doch ein Bild nicht nur aus einer Perspektive betrachten. Es gibt dabei so viel zu beachten, unabhängig davon ob mir das Motiv gefällt oder nicht:

Unter welchen Bedingungen hat der Künstler das Bild gemalt.
Wie war die Situation als er es malte. Was geschah zu dieser Zeit in seinem Leben? Wie alt war er? Welche Lebenserfahrungen hat er bereits gemacht?
Welche Farben hat er benutzt? Ist die Farbe, die ich hier sehe noch im Originalton oder ist sie nachgedunkelt/ausgebleicht?
Habe ich wirklich alles auf dem Bild entdeckt, was es zu entdecken gibt, auch wenn es noch so klein ist?
Welche gesellschaftlichen Konventionen galten zu der Zeit als es gemalt wurde? Was war der damalige Stand der Wissenschaft? Was sah man als gegeben an?
Weiß ich unter welchen Lichtverhältnissen das Bild gemalt wurde? Wenn nein, habe ich es dann unter mehreren möglichen Bedingungen betrachtet?
Man kann diese Liste noch lange weiterführen.

Das was ich hier oben versuche anhand eines Bildes zu beschreiben, entspricht so ziemlich meiner Art zu denken und die Welt und die Menschen zu sehen. Ich kann und ich will das nicht abstellen, denn das bin ich. Und je älter ich bin, desto schwerer fällt es mir auch so zu tun, als wäre ich nicht so, nur um des lieben Friedens willen, der halt aber tatsächlich keiner ist. Denn nur weil etwas friedlich scheint, ist es noch lange nicht harmonisch.

Ich denke, sehe und fühle anders wie viele andere Menschen, dass macht mir das Leben oft schwer und kompliziert, so wie auch gerade im Moment. Zugleich eröffnet mir dieses Anderssein aber einen Zugang zur Welt, denn ich genau so haben möchte. Den ich brauche um das Große und Ganze, zumindest in kleinen Teilen zu verstehen, um der „Ordnung der Welt“ oder der „Weltenseele“ wie Paolo Coelho es nennt, ein kleines Stückchen näher zu kommen, denn eines weiß ich sicher:

Jedes Geschöpf ist mit einem anderen verbunden, und jedes Wesen wird durch ein anderes gehalten.“

und

„Letztlich sind wir hier, weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt. Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und im Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht. Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es keine Geborgenheit. Solange er sich fürchtet durchschaut zu werden, kann er weder sich noch andere erkennen – er bleibt getrennt.
Alles ist mit Allem verbunden.“

(beide Zitate stammen von der Heiligen Hildegard von Bingen)

Wo sind die Zuckerstreusel…

Heut ist so ein Tag zum Abgewöhnen!

Solche Tage gibts auch. Das sind die Tage wo du am Morgen aufwachst und dir am liebsten sofort die Decke über den Kopf ziehen möchtest. Warum? Tja, gute Frage. Was genau der Auslöser für solche Tage ist, hab ich noch nicht so ganz verstanden. Vermutlich hat es aber mit dem Tag vorher zu tun. Wenn der zu voll oder zu aufregend war, oder ich zu viele Dinge gleichzeitig gemacht hab, dann schaltet mein Hirn am Folgetag auf Pause. Dabei war es eigentlich auch gestern schon ein Kampf ins Arbeiten zu kommen, irgendwann ist es dann aber gelaufen. Ich habe seit Corona das Problem, dass mein eigentlicher Arbeitsplatz durch meinen Mann besetzt ist, der nun seit über einem Jahr im Homeoffice ist. Nicht das mich das weiter stören würde, ich bin ja froh das er die Möglichkeit bekommen hat, aber ich merke das das Arbeiten an meinem „Ersatzschreibtisch“ einfach nicht das gleiche ist wie am Eigentlichen. Weil es einfach nicht MEIN Schreibtisch ist.

Ich habe viel Zeit gebraucht um in unserem Haus einen Ort für mich zu finden, an dem ich arbeiten kann. Letztendlich habe ich einen Platz gefunden. Mein Schreibtisch steht in unserem Wohnzimmer, einem großen und hellen Raum mit vielen Fenstern. Unter einem dieser vielen Fenstern steht er, mein Tisch. So mag ich das. Es ist hell, ich habe Platz, der Schreibtisch ist aufgeräumt und vom Fenster aus kann ich in unseren Garten sehen. Wenn ich das Fenster öffne, höre ich zudem die Vögel die sich draußen in unserem Hof um die letzten Sonnenblumenkörner in unserer Futterstation streiten. So mag ich es, so ist es für mich perfekt. Wenn ich das Fenster nicht öffenen kann, weil ich wahlweise nicht erfrieren oder nassgeregnet werden möchte, setze ich mir Kopfhörer auf und höre Musik. So arbeite ich. Ich kann zwar auch arbeiben wenn es ruhig ist um mich herum, aber in den meisten Fällen macht Ruhe mich unruhig. Eigentlich paradox, aber genau so ist es. Manchmal macht Ruhe mich unruhig und ich kann mich schlecht konzentrieren , das Arbeiten fällt mir dann unglaublich schwer.

Wenn ich in solchen Phasen feststecke und der Meinung bin, ich muss es trotzdem ohne offenes Fenster oder Kopfhörer auf den Ohren schaffen, dann endet das damit, dass ich innerhalb kürzester Zeit auf’s Handy kucke und anfange irgendwelche Spielchen zu spielen in denen man Kristalle, Obst oder Bücher in eine Reihe schieben muss. Das beruhigt mich, warum weiß ich nicht, aber es hilft.

Aber zurück zu meinem jetztigen Arbeitsplatz… Mein aktueller Schreibtisch, steht in der Abstellkammer… die ist klein, eng, vollgestopft (nicht nur die Kammer, auch der Schreibtisch, da er ja eigentlich als Ablage dient) und ich starre auf die Wand… Tja…. aber immerhin hab ich ja diesen Text hier jetzt fertig gebracht (Kopfhörer, Spotify und meiner Lieblingsplaylist sei Dank!)

Aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben… (habe ich schon einmal erwähnt, dass ich häufige Themenwechel liebe und ohne Probleme von einem Punkt zum nächsten springen kann?! Das ist ein Nebeneffekt der Tatsache, dass ich immer mehrere Dinge gleichzeitig denke…)
Nein, eigentlich ging es mir zu Beginn dieses Textes darum, dass heute nichts klappen will.

Geweckt wurde ich heute, nach einer ziemlichen unruhigen Nacht, vom Sturm, noch bevor der Wecker geklingelt hat, an Einschlafen war nicht mehr zu denken, obwohl ich noch 10 (!!!) Minuten gehabt hätte bis zu regulären Weckzeit. Ja, ich rede hier wirklich von 10 Minuten. Ich hasse aufstehen! Und die Zeit am Morgen ist mir heilig. Jede einzelne Minute! Danach durfte ich feststellen, dass ich mir meine Lieblingshose gestern wohl mit Schokopudding vollgesaut habe, also musste die in die Wäsche. Das hieß ich musste mir jetzt also auch noch überlegen was ich eigentlich anziehen will…. (es wurde einfach die Jogginghose von vorgestern, die lag noch auf dem Sofa…). Kurz darauf kam mein, etwas bedröppelt dreinblickender Ehemann um die Ecke mit einem Paar Socken in der Hand. Diese Strümpfe wurde von der Mottenkönigin auserkoren als Frühstück zu dienen. Ich hasse Motten. Also habe ich, noch vor dem Frühstück wohlgemerkt, die gesamte Sockenschublade ausgeräumt und in die Waschmaschine gestopft (wo sie immer noch liegt, fällt mir gerade ein, die müsste eigentlich schon seit Stunden fertig sein….seufz….). Im Anschluss stellte ich dann fest, das die gestern übrig gebliebenen Brötchen in etwas die Konsistenz von Pappendeckel hatten, habe mich am Kaffee verbrannt und mich dann, in meiner bitterkalten Abstellkammer (die Heizung hat beschlossen es ist heiß draußen, sie muss heute nicht heizen) an den Schreibtisch gesetzt um wenigstens ein wenig zu arbeiten.

Pustekuchen.

Ich hab heute Vormittag alles mögliche gemacht, gearbeitet hab ich aber nicht, denn um an meinem Text weiterzuarbeiten, müsste ich erstmal das nochmal durchlesen was ich bisher habe. Haha…. is heute nicht. Mein Hirn weigert sich. Das geht stattdessen lieber ständig die Tangoschritte von gestern Abend (wir lernen gerade Tango tanzen) nochmal durch, überlegt sich was es heute Abend zu essen gibt und zwingt mich gefühlt 1000 mal in der Minute (ich weißt, das geht gar nicht…) nachzusehen ob ich eine Whatsapp- oder Instagrammnachricht bekommen habe.
Ach ja, das Mittagessen war dann auch noch gigantisch, denn meine Wollwürste, auf die ich mich jetzt zwei Tage lang gefreut hatte, hatten leider beschlossen ihren Aggregatszustand zu ändern…von fest in glitschig…. inklusive eines ziemlich ekelhaften Duftes…War also nix. Dann gibts halt Wiener zu den Bratkartoffeln dachte ich mir. Gedacht, getan. Die waren auch noch gut, allerdings habe ich dann vorhin beim Tisch abräumen meinen Eichenholzfußboden mit Würstlwasser getränkt nur um kurz danach, beim Versuch meine Hafermilch aufzuschütteln, den Küchenfußboden mit Hafermilch zu verzieren….der klebt jetzt ein wenig…. hmpf… wie gesagt, nicht mein Tag heute.

Ich fürchte, da hilft nur eins: Heute abend gibts Nachtisch. Pudding! Mit vielen Zuckerstreuseln!