Impuls für die sechste Woche

Rückblick….

….und Ausblick!

Fast ist es geschafft. In 7 Tagen ist Ostern und die Fastenzeit hat ihr Ende gefunden. Unglaublich wie schnell die Zeit verging. Und was ist nicht alles passiert in den vergangenen 6 Wochen.

Du hast einiges erlebt, hast vielleicht neue Seiten an dir kennengelernt, bist auf deinem, dir ureigenen Weg, dir selber und so manchem Wunder begegnet, hast erste Schritte getan, dich verlaufen und zurückgefunden und deinem eigenen Tempo nachgespürt.
Fest steht: Du bist heute, nach fast sechs Wochen, nicht mehr die gleiche Person, die du zum Beginn unserer Reise warst. Und das ist gut so. Die Welt besteht aus Veränderung und Wandel, das Leben muss fließen und alles was im Fluss ist, muss sich zwangsläufig verändern (dürfen).

Heute nun, mein letzter Impuls für dich!

Auf Exerzitien ist es üblich, in der letzten Etappe Rückschau zu halten auf das was war und einen ersten Ausblick zu wagen. Das ist nun auch meine Einladung für diesen letzten Teil der gemeinsamen Reise.

Einladung für die sechste Woche der Fastenzeit:

  • Nimm dir einige Minuten Zeit um innehalten und zurücksehen auf die vergangenenWochen.
    Wie geht es dir nun, nach 5 Wochen auf dem Weg?
    Hat sich etwas verändert?
    Hast du dich in irgendeiner Art und Weise verändert?
    Hast du neue Richtungen eingeschlagen oder denkst zumindest darüber nach?
    Oder hast du erfahren dürfen, dass dein Leben, so, wie du es lebst, genau das richtige für dich ist?!
    Vielleicht merkst du auch, dass beides ein Stück weit wahr ist
    , auch das ist möglich!
  • Wenn du nun nach vorne blickst, die nächste Woche im Auge, was geht in dir vor?
    Freust du dich auf das Ziel?
    Gibt es etwas, was du noch zu Ende bringen musst bevor du angekommen bist?
    Oder muss noch etwas begonnen werden?
    Welche Schätze bringst du mit ins Ziel, welche Wunder?
    Gibt es etwas aus den vergangenen Wochen, was du auch nach Ostern weiterführen möchtest?

Zum Abschluss dieses sehr besonderen, 6 Wochen andauernden Weges möchte ich mich nun bedanken bei allen, die diesen Weg mitgegangen sind und sich auf ihn eingelassen haben.
Es war mir eine Ehre meine Gedanken und Impulse mit euch zu teilen und ich wünsche euch nun ein gutes Weitergehen, auf eurem, euch ureigenen Weg. Denn eines ist gewiss:

Der Weg mit seinen Abenteuern hört niemals auf 😉

Bedienungsanleitungen….

….sind so eine Sache. Ich persönlich lese sie nicht gerne. Am liebsten habe ich Dinge, die sich selbst erklären und bei denen ich bereits beim ersten Mal hinsehen instinktiv weiß, wie sie funktionieren. Oft ist das auch so. Manchmal jedoch eben nicht. Dann heißt es sich aufraffen und geduldig Seite um Seite eines, oftmals sehr dicken Heftchens zu lesen (ich lese ungern riesen Textmengen wenn es sich nicht gerade um ein spannendes Buch oder eine, für mich interessante Studie handelt.)
Wie gesagt, ich mach das eigentlich nur wenn es nicht anders geht.

Manchmal jedoch kann es durchaus hilfreich sein eine Bedienungsanleitung zu lesen.

Vor allem dann, wenn es einen selbst betrifft. Das lerne ich in den vergangenen Monaten. Seit der Erkenntnis, dass mein Therapeut vor 8 Jahren zwar auf der richtigen Spur war, leider aber doch haarscharf daneben gelegen hat mit seiner Ad(h)s-Vermutung, eröffnen sich mir neue Welten im lesen sämtlicher Bücher, die ich über das autistische Spektrum finden kann. Ich lese und lese und begreife so langsam, warum Dinge sind wie sie sind. Warum ich an Grenzen stoße, die für andere scheinbar mühelos zu überwinden, oder für sie auch einfach gar nicht vorhanden sind. Warum ich manches nicht verstehe, so sehr ich mich auch bemühe. Viele Konflikte in meiner Kinder-, Jugend-, und Jungen-Erwachsenen-Zeit erklären sich plötzlich. Zerbrochene Freundschaften und Beziehungen machen einen Sinn, auch wenn sie deswegen nicht weniger schmerzhaft sind.

Fast ist es so, als hätte ich meine persönliche Bedienungsanleitung gefunden. Ich lese und denke mir: „Auch so ist das! Ah, ok, und dass ist auch vollkommen normal für Menschen wie mich, muss ich mir also keine Gedanken mehr machen, dass mit mir etwas nicht stimmt, ich bin damit nicht allein! Ach und wenn ich da drauf drück, dann passiert also das…hmm… ja stimmt, doch eigentlich passiert das dann immer… spannend!“
Das erste Mal in meinem Leben fühle ich mich angekommen und verstanden. Alles macht Sinn und eine tonnenschwere Last wird Stück für Stück von meinen Schultern genommen die hauptsächlich aus Brocken bestand auf denen so Worte und Sätze standen wie: „Unfähig“, „nicht gut genug“, „zu wenig angestrengt“, „wieder nicht geschafft“, „überempfindlich“, „du strengst sich nicht genug an“ „das musst du jetzt halt einfach aushalten“, etc.

Es tut gut zu verstehen, dass man nicht „falsch“ ist, sondern einfach „nur“ anders. Gleichzeitig macht mir dieses „Erwachen“ mein Leben im Moment nicht leichter. Eher im Gegenteil. Es macht mich nachdenklich, dünnhäutig, empfindlich und unendlich müde. Als würde ich so langsam merken wie viel Kraft mich die letzten Jahrzehnte wirklich gekostet haben.

Ich habe mein, bis dato 43 Jahre währendes, Leben bislang damit verbracht in einer Welt zurechtzukommen in der mich die meisten Menschen erst einmal nicht verstehen, wenn ich wirklich bin wie ich bin. In weiten Teilen funktioniert dieses Zurechtkommen inzwischen auch hervorragend. Ich habe, von Kindheit an, Strategien entwickelt und erlernt, die mir dabei helfen nicht aufzufallen und so zu tun als wäre ich genauso wie die meisten anderen um mich herum. Masking nennt man das, wie ich inzwischen weiß. Masking…. Maskierung… Ja, dass passt. Und wie ja auch gewünscht bei einer Maskerade: Wie es hinter der Maske aussieht, ist ein Geheimnis. Mein Geheimnis.

Oftmals weiß niemand wie es mir in bestimmten Situationen geht, wie überfordert, müde, verzweifelt, überreizt, angespannt und erledigt ich wirklich bin. Wenige Menschen kennen mich wirklich, wissen wie es in mir aussieht, was ich wirklich brauche um mich wohlzufühlen

Ich versuche verzweifelt ein Bild aufrechtzuerhalten, das so nicht existiert. Eine Illusion zu erschaffen, um „geliebt“, anerkannt und akzeptiert zu werden. Eine Illusion um einen Platz in einer sozialen Gruppe zu haben, um dazuzugehören. Seit ich klein bin, möchte ich eigentlich nur das: irgendwo dazugehören.

Was soll ich sagen: Ich hab genau das geschafft…. aber um welchen Preis…

Ist es wirkliche ein „dazugehören“, wenn man es nicht (mehr) wagt sich so zu geben wie man wirklich ist, aus Angst, dann ausgeschlossen zu werden? Wenn man immer schluckt, wenn das, was für einen wirklich wichtig wäre einfach ignoriert, wegdiskutiert oder mit Floskeln abgetan wird, wenn Toleranz zwar ein schönes Wort, die Umsetzung derselben aber scheinbar nicht wirklich gewünscht oder machbar erscheint. Und ich schlucke oft…. Oder spreche Dinge erst gar nicht mehr an, weil ich es einfach müde bin… wahrscheinlich neige ich darum auch zu Magenproblemen…

Im Moment sind es genau diese Themen, die mich umtreiben.

Ich erahne langsam wer ich eigentlich bin. Das es in Ordnung ist so zu sein, nein, dass es GUT ist, dass ich bin wie ich bin. Das mit meiner Art des Seins, Fähigkeiten verbunden sind und eine Verantwortung gegenüber mir und der Welt. Wie immer diese Verantwortung für die Welt auch zum Tragen kommen darf.

Die Verantwortung mir selbst gegenüber aber, die verträgt sich nicht mit meinem bisherigen Lebensstil. Ich kann und will diese dauerhafte Maskerade nicht mehr. Der Maskenball muss auch irgendwann einmal ein Ende haben. Ich möchte MICH zeigen, das Echte, nicht nur eine Illusion.

Mein Mann hat einmal einen klugen Satz zu mir gesagt: „Sei du Selbst der Mittelpunkt deines Lebens!“. Mein erster Impuls war es damals ihm zu widersprechen, entspricht diese Aussage doch so gar nicht meinem Blick auf das Leben, dass in meinem Fall meist darin besteht zwischenmenschliche und seelische „Blockaden“ in meiner direkten Umgebung zu orten, zu analysieren und, wenn immer möglich, das Grundproblem zu lösen, damit alles wieder ins Fließen kommt. Wenn ich dabei aber immer zuerst einmal mich, als meinen eigenen Mittelpunkt im Blick hätte, würde das nicht funktionieren. Ich muss ganz in die Gedankenwelt des Anderen eintauchen um die Möglichkeit zu haben die Problematik die vorherrscht wirklich zu durchdringen und zu verstehen, denn nur so kann ich meinen Teil zur Lösung beitragen. Ich muss mich also ausklinken aus dem Ganzen.

Das fällt mir ohnehin nicht schwer, da ich meist eh nicht weiß wie es mir akut geht… aber das nur am Rande.

Zurück zum, Zitat meines Mannes. Ich glaube so langsam, er hat doch recht, nur ich hatte das Zitat falsch verstanden. Wahrscheinlich ist mit „Sei du Selbst der Mittelpunkt deines Lebens!“ nicht gemeint: „Kümmer dich, ganz egoistisch nur um dich!“, sondern eher „Nimm dich und deine Bedürfnisse ernst. Sei du selbst und sorge gut für dich, wann immer es geht.“

Oder, wie mein Therapeut damals zu mir sagte: „Seien sie sich selbst eine solch liebevolle Mutter, wie sie es für ihre Kinder sind!“ Und was würde ich als Mutter anderes tun als meinem Kind zurufen:

“ Sei DU, nicht anders. Du bist ein Geschenk! Ein Königskind! Ein genialer Gedanke Gottes!. Nimm deinen Platz ein in der Welt und leuchte nach draußen mit deiner Einzigartigkeit, denn genau diese Einzigartigkeit macht dich zu einem unglaublich wertvollen und liebevollem Menschen. Du bist ein besonderes Kind und ich bin stolz auf dich!“

Denn genau so ist es! Und das gilt nicht nur für mich, sondern für jeden einzelnen Menschen auf dieser wunderschönen großen und bunten Erde!

Impuls für die fünfte Woche

„Finde dein eigenes Tempo!“

……sprach die Schnecke und zog freudig ihrer Wege.

Herzlich Willkommen in Woche 5. Nur noch zwei Wochen bis zum Ostersonntag. Fast ist es geschafft und sicher ist viel passiert in den vergangenen 28 Tagen. Ich hoffe euch sind in der vergangenen Woche jede Menge Wunder geschickt worden.

„Finde dein eigenes Tempo!“, eine wichtige Grundregel, wenn man eine Wanderung auf sich nimmt. Oftmals ist es auf längeren Wanderungen, Bergtouren oder Pilgerwegen ja so, dass man sich anfangs voller Schwung und Enthusiasmus auf den Weg macht und alles einem leicht, beschwingt und einfach vorkommt. Mit der Zeit, wenn man eine Weile gegangen ist und die ersten Blasen an den Fersen entstanden sind, ist der Enthusiasmus dann schnell verflogen und das Gehen wird mühsam und beschwerlich. Das ist grundsätzlich erst einmal vollkommen normal und in Ordnung. Schwierig wird es dann jedoch, wenn man in einer Gruppe läuft, in der scheinbar alle schneller, trainierter, besser gelaunt, oder auch nur professioneller ausgerüstet scheinen. Manch einer wird uns bemitleiden, ein anderer gar grinsend an uns vorbeiziehen. Das Ende vom Lied: wir fühlen uns unfähig und schlecht. Oftmals gar nicht deswegen, weil wir wirklich so große Schmerzen haben, oder das Gefühl, für uns selber zu langsam zu sein. Nein, wir fühlen uns schlecht, weil gefühlt „alle anderen es besser können.“

Diese Wandererfahrung lässt sich eins zu eins auch auf unser restliches Leben übertragen. Wie oft erleben wir Situationen, in denen wir uns schlecht fühlen, ungenügend, scheinbar unfähig. Die Frage, die ich hier an dieser Stelle stellen möchte: Ist es tatsächlich so? Was bewegt uns zu diesen Gedanken? Was gibt uns das Gefühl, nicht gut genug zu sein?

Jeder einzelne von uns ist einzigartig. Auf seine ihm ganz eigene Art und Weise. Wie kann es da sein, dass wir der Meinung sind, anders sein zu müssen als wir nun mal sind? Wir können uns noch so anstrengen, um dem Bild eines anderen zu entsprechen, letzten Endes werden wir damit scheitern. Jeder von uns hat auf dieser großen, wunderschönen Erde eine Aufgabe, die nur er selbst erfüllen kann, dessen bin ich sicher. Doch dazu ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wo die eigenen Stärken liegen. Das eigene Tempo, die eigene Farbe, der eigene Ton, in diesem großen Wunder das Leben heißt. Ganz egal ob jemand anders meint, dass dein Tempo zu gering, deine Farbe zu grell, oder dein Ton zu hoch sei. Das ist nicht wichtig und nicht richtig, denn DU allein, bist der Fachmann für DICH selbst.

Darum: Laufe, leuchte und klinge so wie es dir entspricht. SEI DU! Denn genau das braucht die Welt!

Einladung für die fünfte Woche der Fastenzeit:

  • Nimm dir einen Filzstift, oder ein Stempelkissen und nimm einen Fingerabdruck von dir. Welchen Finger du dir dabei aussuchst ist einerlei. Nimm den, der dir am besten gefällt.
    Betrachte deinen Fingerabdruck jeden Tag mindestens einmal und mach dir bewusst, dass diesen Abdruck nur ein Mensch von 7 840 000 000 Menschen hat, nämlich DU!
    Du bist etwas Besonderes!


  • Sei während der Woche aufmerksam. Wann versuchst du dich Menschen in deiner Umgebung in einem Maß anzupassen, das dir nicht gut tut. Warum tust du das? Was bewegt dich? Was müsste anders sein, damit es dir gut geht? Was brauchst du?

  • Nimm dich und deine Bedürfnisse ernst. Du bist es wert!

Impuls für die vierte Woche

Wunder überall….

Drei Wochen dauert er jetzt schon, der Pilgerweg. Halbzeit. Vieles ist geschehen in den vergangen 21 Tagen. Der erste Schritt, bewusste Schritte und vielleicht auch die Erfahrung, sich im einen oder anderen Bereich ein wenig verirrt zu haben. Inzwischen sind wir gut angekommen, auf unserem Weg. Das gehen fällt uns wahrscheinlich leichter wie zu beginn und eine gewisse Routine hat sich eingestellt. Zeitgleich beginnt nun, so langsam, das erwartungsvolle Ausblick halten nach dem Ziel. Können wir es schon entdecken in der Ferne? Dauert es noch lange? Was mag am Ende des Weges auf uns warten? Der Blick geht in die Ferne, in die Zukunft, die Kinder hoffen auf das baldige Eintreffen des Osterhasen, auf Schokolade und farbige Eier, wir Erwachsene hoffen auf ruhige und friedliche Feiertage. Auf Glücks- und Ruheoasen, gerade in diesen unruhigen Zeiten. Ein wenig dauert es aber noch bis Ostern… und es gibt noch viel zu entdecken bis dahin.

Ich möchte den heutigen Impuls mit einer Frage beginnen:

Hast du dich heute schon gewundert?

Na? Hast du?

Nicht unbedingt über den Autofahrer vor dir, der vergessen hat, wo sich sein Blinker befindet und der ihn deswegen nicht setzen konnte bevor er abbog. Und ich meine auch nicht die Nachbarin, die das Treppenhaus noch nicht geputzt hat, obwohl es doch eigentlich ihre Aufgabe gewesen wäre 😉
Nein, ich meine, hast du heute schon ein Wunder entdeckt? So eines, wie es vor allem Kinder entdecken, und zwar jeden Tag. Hast du heute schon Glitzerpunkte auf der Straße betrachtet, herzförmige Steine, wunderschöne Schneckenhäuser oder auch Regenbogenpunkte an der Wand oder in deinem gläsernen Messbecher entdeckt? Nein? Dann wird es höchste Zeit! 🙂

Albert Einstein meinte einmal: „Es gibt nur zwei Arten zu leben. Entweder so als wäre nichts ein Wunder oder so als wäre alles ein Wunder.“ …und ich glaube, genau jetzt ist eine gute Zeit, einmal eine Woche zu versuchen, so zu leben als wäre alles ein Wunder! Denn das Leben ist WUNDERvoll! Machen wir uns auf und entdecken sie! Jetzt!

Einladung für die vierte Woche der Fastenzeit:

  • Gehe auf Wundersuche! Gehe diese Woche bewusst auf die Suche danach. Du wirst sehen, sie begegnen dir überall. Egal, ob als herzförmiger Kaffeesatz in deiner Kaffeetasse, als Glitzerpunkt auf dem Asphalt, oder auch im Blick eines geliebten Menschen.
  • Wenn du Wunder gefunden hast, oder sie dich gefunden haben, sammle sie. Lege sie auf den von die dafür vorgesehen Platz, an dem du sie immer wieder betrachten kannst, fotografiere sie, klebe sie ein…. tu damit, wonach auch immer dir ist.
  • Und vergiss auch nicht, jeden Tag einmal bewusst in den Spiegel zu sehen, denn auch da wirst du ein großes und großartiges Wunder entdecken können! Dich selbst!

Impuls für die dritte Woche

Die Sache mit dem richtigen Weg…

Auch die zweite Woche der Fastenzeit geht nun zu Ende. Einiges haben wir bereits erlebt in den vergangenen 14 Tagen. Erste Schritte wurden gegangen, vielleicht die eine oder andere Gelegenheit genutzt, um ganz bei unseren Füßen im Hier und Jetzt zu sein… Ein gutes Stück Weg liegt schon hinter uns, ein etwas größeres noch vor uns. Das Ziel ist noch nicht wirklich in Sichtweite, aber die Richtung stimmt. Oder?

Stimmt sie wirklich? Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Können wir das wirklich mit letzter Gewissheit sagen? Wer garantiert uns denn, dass wir uns wirklich noch in großen Schritten Richtung Ostern bewegen? Vielleicht sind wir ja auch längst irgendwo falsch abgebogen in den vergangen Wochen und landen am Ende bei Weihnachten?! Wer weiß das schon?!

Tja, es ist so eine Sache mit den Wegen, die man im Leben geht. Manchmal ist man sich ganz sicher, in die richtige Richtung zu gehen, nur um dann, manchmal auch erst kurz vor dem anvisierten Ziel, zu merken, dass es eigentlich der falsche Weg für einen selber war. Dass er nicht so richtig passt, dass man ihn vielleicht gar nicht gegangen wäre, wären die äußeren Umstände anders gewesen. Das muss deswegen nicht immer heißen, dass der gesamte Weg, den man gegangen ist, nicht gewinnbringend für einen selbst war. Vielleicht hat man auf diesem Pfad, die eine oder andere nette Begegnung haben dürfen, hat wunderschöne und erfüllende Moment geschenkt bekommen. Alles Dinge, die man nie erfahren hätte, wäre man diesen Weg nicht gegangen. Oder, um es etwas platter auszudrücken: Man kann sich total verrennen und trotzdem unendlich viel dabei gewinnen. Und wenn es „nur“ Lebenserfahrung war. Ich glaube, jeder von uns weiß, wovon ich spreche, zumindest ich habe mich schon ziemlich oft verrannt in meinem Leben… und ich weiß auch: Ich würde jeden dieser „Irrwege“ wieder gehen, denn auch sie haben mich geformt und zu der Person geformt, die ich heute bin.

Denn, wie sagte schon der, von mir sehr verehrte, Paul Watzlawick:

„Irrwege müssen erst begangen werden, um sich als Irrwege zu erweisen.“ 😉


Einladung für die dritte Woche der Fastenzeit:

  • Wie geht es dir gerade in deinem Leben, gibt es Bereiche in denen du das Gefühl hast, auf einem Irrweg unterwegs zu sein, oder gar in einer Sackgasse festzustecken?

    Wenn nein: Gratulation! Dann genieße es, und gehe deinen Weg voller Freude und Fröhlichkeit weiter, denn du bist (jetzt gerade) auf dem für dich passenden Weg.

    Wenn ja: Gibt es etwas, was dir helfen könnte, aus der Sackgasse herauszukommen? Bist du dir sicher, dass dein Weg ein Irrweg ist? Vielleicht hast du dich auch, ohne es zu merken, in ein Labyrinth verirrt und der Ausgang ist näher als du denkst?!
    Wenn du dir sicher bist: Setz dich auf den nächsten Stein und betrachte deine Umgebung.
    Wo meinst du könnte der richtige Weg liegen? Gibt es vielleicht jemanden, den du nach dem Weg oder zumindest einer Idee dafür, fragen könntest?
  • Mach dir bewusst: Egal welchen Weg du gerade gehst und wo auf selbigem du dich gerade befindest, dort wo du bist, bist du gerade richtig. Dein aktueller Standpunkt zeichnet dich aus, weil er Teil deines Lebensweges ist.
    Egal, ob du mit deinem aktuellen Standpunkt zufrieden bist oder nicht, er ist der Ausgangspunkt für alle deine weiteren Lebenswege und im besonderen für deinen nächsten Schritt. Die Frage ist, in welche Richtung du diesen nächsten Schritt weitergehst!



P.s. Um evtl. Unsicherheiten vorzubeugen: Keine Sorge, auch wenn das Thema der dritten Woche die Irrwege sind, ich kenne den Weg nach Ostern. Ihr könnt also beruhigt schon mal anfangen, Schokolade und bunte Eier zu produzieren 😉

Kartenhäuser….

….sind wunderschön, brechen nur manchmal in sich zusammen….

Ich baue für mein Leben gerne Kartenhäuser. Das habe ich auch als Kind schon gerne gemacht. Zuerst mit „Bierfilzle“, wie die Bierdeckel bei uns in Bayern heißen, später dann auch mit Spielkarten. Nachdem ich meist eine recht ruhige Hand und ein gutes Gespür habe, bin ich damit meist gut zurecht gekommen und habe durchaus beachtliche Kunstwerke bauen können. Allerdings waren sie leider nie wirklich stabil. Sehr oft kam es vor, dass ein Luftzug oder auch ein kleines Geschwisterkind, dem Vergnügen ein jähes Ende setze und ich frustriert und unglücklich zurückblieb.

Dieses Bild der Kartenhäuser kam mir erst diese Woche wieder in den Sinn. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich diese Kartenhäuser, im übertragenen Sinne, auch in meinem Leben baue. Immer wieder. Kartenhäuser, um davon abzulenken wie ich wirklich bin, wie es mir wirklich geht, um zurechtzukommen in einer weitgehend normierten Welt, die nur leider in weiten Teilen anders genormt ist wie ich.

Ich erschaffe eine, manchmal ziemlich fragile, aber kunstvolle Illusion, um es den Menschen in meinem Umfeld recht zu machen. Ich treffe mich, obwohl ich eigentlich meine Ruhe bräuchte, oder ich gehe zum Essen in ein Restaurant, obwohl es mir eigentlich viel zu voll ist und die Speisekarte viel zu viel Auswahl bietet, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ich überfordere mich absichtlich, um das zu haben, was man ein funktionierendes Sozialleben nennt. Und das Ende vom Lied? Ich kann im Anschluss nicht schlafen und brauche mehrere Tage, um mich zu erholen. Und sollte es tatsächlich doch einmal passieren, dass ich bereits im Vorfeld so überfordert und erschlagen bin, dass ich ein solches Treffen einfach nicht leisten kann, dann erfinde ich Ausreden. Inzwischen bin ich richtig kreativ in diesem Bereich. Und meistens merkt man auch gar nicht, dass es Ausreden sind. (Amüsanterweise meinen viele aber ich würde eine Ausrede suchen, wenn ich einmal tatsächlich die Wahrheit sage, wie etwa, dass ich mich wegen hoher Coronazahlen im Moment mit niemandem treffen möchte. Zumindest nicht in geschlossenen Räumen. Weil ich es als unverantwortlich empfinde. Das wiederum kann sich kaum jemand vorstellen und meint ich hätte einfach Angst, möchte das aber nicht sagen… …und da soll man nicht verwirrt sein… )

Die Frage, die mich nun seit dieser Woche ernsthaft beschäftigt, ist: möchte ich das wirklich immer so weitermachen? Möchte ich die ganze Zeit Illusionen aufbauen und Ausreden erfinden, oder, um es noch eine Spur härter auszudrücken, möchte ich wirklich mein Leben lang allen Menschen in meinem Umfeld etwas vorlügen, nur damit sie meinen, ich wäre so normal wie sie und hätte immer und jederzeit Spaß und Freude an dem, was sie selbst toll finden? Aus lauter Angst, ich könnte sie enttäuschen und würde dann als Konsequenz weniger „geliebt“?

Was würde denn passieren, wenn ich genau das sein lassen würde? Wenn ich endlich beginnen würde, diese vermaledeite Maskerade wirklich nur noch dann zu betreiben, wenn es wirklich notwendig ist? Sollten Freundschaften so etwas nicht aushalten können? Sollte es in einer Freundschaft nicht auch darum gehen, was mir selbst gut tut? Ist es wirklich ein „geliebt“ sein, wenn man es nur dem Gegenüber recht zu machen versucht, sich selber darüber aber komplett aus dem Blick zu verliert?

Vielleicht ist es Zeit, das größte Kartenhaus, mit seinen vielen kleinen, tatsächlich in sich zusammenfallen zu lassen und eher ein Haus aus Holzbauklötzen zu bauen. Das sieht zwar nicht so beeindruckend, leicht und kunstvoll aus, es ist aber stabil. Und es entspricht mir. Ich brauche Stabilität und Sicherheit, Klarheit und Wahrhaftigkeit und die Möglichkeit zu wissen, dass mein Haus auch noch steht, wenn ich mal nicht so gut darauf aufpasse. Ich möchte einfach endlich aufhören mich zu verkleiden und aus der Deckung kommen, hinter der ich sitze, seit ich denken kann. Leicht werden wird das nicht, das ist mir klar, denn nach etwas mehr als 40 Jahren Maskenball, muss man sich erst mal in der eigenen Realität zurechtfinden.

Also dann… wo sind die (bunten!! am besten mit Glitzer!!!) Bauklötze? 🙂

Impuls für die zweite Woche

Sei da wo deine Füße sind…

Wir befinden uns jetzt bereits seit einer Woche auf dem Weg durch die Fastenzeit, auf dem Weg hin, nach Ostern. In der letzten Woche stand er an, der erste Schritt. Nun ist er schon getan. Vielleicht fiel er dir leicht, vielleicht bist du schon weit gekommen, hast einen oder viele erste Schritte tun können oder in deinem Umfeld so einige beobachtet. Vielleicht fiel es dir aber auch schwer das losgehen, dass sich ja manches mal doch wie ein Sprung ins Leere anfühlt. Beides ist in Ordnung, beides ist gut.

Nun sind wir also in Woche zwei. Die erste Etappe ist geschafft. Um was geht es nun in dieser zweiten Woche? Ich denke, die passende Fortsetzung für unseren Weg, gerade jetzt, wo wir uns noch am Anfang befinden, ist das Thema der unmittelbaren Gegenwart, des „Bei-sich-seins“, der Konzentration auf das Jetzt.

„Sei da, wo deine Füße sind!“ und „Wo du bist, sei ganz!“ sind zwei Zitate die mich schon seit vielen Jahren begleiten. Von wem sie stammen weiß ich leider nicht mehr, aber ich denke, das spielt auch keine allzu große Rolle. Da sein, wo die eigenen Füße sind. Klingt einfach. Schließlich sind unsere Füße ja festgewachsen und von daher nehmen wir sie ja sowieso immer überall mit hin. Das ist hier allerdings nicht gemeint. Es ist natürlich richtig, dass unsere Füße uns immer und überall hin begleiten, allerdings befinden sich unser Geist und unsere Seele, wenn wir ehrlich sind, nur eher selten ebenfalls am gleichen Ort. Viel zu oft sind wir in den Gedanken bei den Geschehnissen von gestern, oder den Sorgen und der Organisation von morgen, oder nächster Woche. Beim Urlaub der noch geplant werden muss, die Veranstaltungen, zu denen man die Kinder noch bringen muss, den Geburtstagsgeschenken die zu besorgen sind, der nächsten Prüfung oder der letzten, die vielleicht nicht ganz so lief wie man sie gerne gehabt hätte. Unser Geist ist ständig in Bewegung, aber nur selten im hier und jetzt.

Wenn wir lernen wollen, wie das denn so genau geht, das „im-hier-und-jetzt-sein“, dann müssen wir eigentlich nur kleine Kinder beobachten. Für Kinder gibt es nur das Jetzt, das Unmittelbare. Hier leben sie, sind sie zu Hause. Das Gestern, das Morgen gibt es zwar, aber diese Zeiten haben so gut wie keine Relevanz für sie. Sie geben sich ganz dem Augenblick hin und kosten ihn in vollen Zügen aus. Genau das ist gemeint mit „Wo du bist, sei ganz!“ und „Sei da, wo deine Füße sind.“
„Werdet wie die Kinder, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ heißt es in der Bibel.
Vielleicht fangen wir diese Woche einfach einmal damit an. 😉

Einladung für die zweite Woche der Fastenzeit:

  • Versuche dich jeden Tag (einmal) bewusst wahrzunehmen.
    Stelle dich dazu mit beiden Beinen fest auf den Boden und spüre deine Füße. Merkst du, wie du jetzt im Moment fest auf der Erde stehst. Dann konzentriere dich auf deinen Atem und spüre, wie die lebenspendende Luft in dich hinein- und wieder hinausströmt. Atme dreimal ganz bewusst ein und aus.
    Sei ganz im Hier und Jetzt


  • Vielleicht ergeben sich Situationen in der kommenden Woche, die dir Gelegenheit bieten im Alltag immer wieder einmal einen Moment ganz bei dir zu sein. Wenn du auf etwas/jemanden wartest und in der Sonne sitzt zum Beispiel. Halt dein Gesicht in die Sonne und sei einfach da. Oder wenn du eine Tasse Kaffee/Tee trinkst. Genieße ihn. Schmecke ihn, nimm ihn ganz bewusst wahr.
    Und wenn sich die Möglichkeit ergibt: Beobachte Kinder.
    Wie sie ganz im Jetzt sind. Mit ihrem Spiel, ihrer Freude und auch ihrer Wut und Traurigkeit. Kinder gibt es immer nur in „Echtzeit“. 😉

In diesem Sinne: Auf ein gutes, bewusstest weitergehen in Woche zwei!

Stimmungsbild

Ich bin überfordert. Hoffnungslos… von allem und jedem. Am liebsten möchte ich im Moment keinen Menschen sehen, nicht sprechen, mich einfach irgendwo verkriechen, und schlafen. Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen fällt mir schwer, alles ist zu viel. Selbst die einfachsten Dinge, egal ob im Haushalt oder sonst wo überfordern mich …

Es ist mir alles zuviel. Die Situation in der Ukraine, die immer noch aktuelle, wenn auch komplett in den Hintergrund getretene Pandemie, die langanhaltende Ungewissheit im beruflichen Kontext und nicht zuletzt auch noch der ganz normale Wahnsinn, denn es sowieso tagtäglich zu bestehen gilt.

Um gleich allen vorwegzugreifen, die mich jetzt mit ihrer Hilfsbereitschaft liebevoll umfangen möchten: Eure Sorge und euer Mitgefühl ehrt mich und ich möchte euch dafür danken, aber eigentlich sind solche Phasen in meinem Leben doch ganz normal. Ich kenne sie, seit ich denken kann. Genauso wie regelmäßige Nervenzusammenbrüche und auch Shutdowns, die dann dazu führen, dass ich die Kommunikation komplett einstelle bzw. einstellen muss, weil ich mich im „normalen Leben“ überhaupt nicht mehr zurechtfinde. Manchmal, wenn auch Gott sei Dank nur sehr selten, ist es sogar so schlimm, dass ich tatsächlich nicht mehr kommunizieren kann, denn ich verstehe zwar die Worte, die mir gegenüber ausgesprochen werden, kann sie aber keiner Bedeutung mehr zuweisen… Irgendwie fährt sich mein Körper in solchen Situationen komplett herunter. Soweit bin ich aktuell jedoch (noch) nicht und hoffe die Situation wieder so in den Griff zu bekommen, dass es auch nicht so weit kommt. Aber es ist schwierig, denn dazu müsste ich meine eigenen Grenzen erkennen und innehalten wenn ich an ihnen angelangt bin. Klingt eigentlich ganz einfach… eigentlich…ist das aber ganz schön schwer, wenn man zwar sehr schnell die Grenzen des Gegenübers erkennt, die eigenen aber regelmäßig mit Schmackes überrennt, weil man sie einfach nicht sieht oder es auch gerade nicht als passend empfindet sie zu respektieren.

Ich habe häufig Schwierigkeiten damit mich selbst wahrzunehmen. Meine Bedürfnisse, meine Wünsche, meine Ziele (oder auch einfach nur meine Außenwirkung, aber das ist hier heute nicht das Thema). Von klein auf habe ich mir angewöhnt mich an meinem „außen“ zu orientieren. Genau zu beobachten um entsprechend zu reagieren. Schon vorher zu wissen, was geschehen wird, was jemand von mir möchte und wie ich mich dann akut verhalten muss um handlungsfähig zu bleiben. Wie es mir dabei geht, hab ich mich (zumindest soweit ich mich erinnern kann) nie gefragt, denn das war für mich nicht relevant. Ich wollte einfach nur so etwas wie Harmonie mit dem um mich herum erreichen. Wenn das bedeutet hat zurückzustecken oder auch mich zu verbiegen, dann war das in Ordnung. Hauptsache alles war „scheinbar“ gut.

Harmonie… sie war und ist es auch immer noch, (über)lebenswichtig für mich. Ohne sie kann ich dauerhaft nicht leben. Disharmonie halte ich nur sehr schwer aus. Im Leben wie in der Musik.
Natürlich gibt es auch in meinem Leben Konflikte. Wir Menschen sind alle sehr verschieden, keiner ist wie der andere, da bleiben disharmonische Töne und konfliktreiche Situationen nicht aus, aber diese kläre ich, so es irgendwie in meiner Macht liegt.
Ich weiß, dass solche Geschehnisse wichtig sind und scheue mich auch nicht davor, denn sie sind nötig, damit wirkliches Leben stattfinden kann. Schließlich kann auch ein kleiner, friedlicher Bach unter bestimmten Umständen zu einem reißenden Fluss mutieren, vieles mitreisen und zerstören, bevor er in sein Bett zurückfindet. Aber manchmal braucht es so etwas vielleicht auch einfach.
Oder, um es mit den Worten von Charles Chaplin zu sagen:

„Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !“

Solche Phasen wie die momentane mit ihren vielen Unklarheiten, Konflikten in allen Bereichen, den vielen unausgesprochenen Sorgen, Ängsten und Nöten, die dennoch deutlich spürbar und für mich fast greifbar vorhanden sind, machen mir mein Leben gerade etwas schwierig und kompliziert. Es sind zu viele Baustellen. Ich komme mir vor wie ein Architekt der das erste mal auf einer Großbaustelle steht, auf der an jedem Eck eine andere Baufirma bereits begonnen hat zu bauen. Ganz so wie sie selbst es für richtig hält. Und jede einzelne dieser Firmen ist natürlich auch davon überzeugt, dass das was sie tut, dass einzig Wahre und Richtige ist. Die Abstimmung fehlt, über ein Miteinander wurde überhaupt nicht nachgedacht und Kompromisse sind gar nicht erwünscht weil es nicht als notwendig empfunden wird. Das Einzige, das vielleicht noch möglich ist, ist ein: Ich lass dich, du lässt mich. Ich machs wie ich will und du machst es wie du willst. Sprechen über unsere unterschiedlichen Ansichten tun wir aber nicht, denn das möchte ich nicht. Wir tun einfach so, als gäbe es diese ungeklärten Fragen und Flecken zwischen uns nicht.

In dieser Pandemie hab ich gelernt, dass ein großer Teil der Menschen so scheinbar leben kann. Ein anderer Teil lebt die totale Konfrontation, in der es auch nicht möglich ist ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen, da erwartet wird, dass ich am Ende der Diskussion doch bitte die Meinung meines Gegenübers anzunehmen habe. Ganz ehrlich: Ich kann das Beides nicht!
Für mich fühlt sich beides an, als müsste ich über ein Tretminenfeld laufen, nie wissend wann es mich erwischt und das strengt mich auf eine schier unglaubliche Art und Weise an, so dass da an Genuss und Wohlbefinden oder ein entspanntes Miteinander, nicht mal im Traum zu denken ist.

Ich bin ein sehr klarer und freiheitsliebender Mensch und um mich wohlzufühlen, brauche ich auch eine solche Kommunikation. Wir müssen nicht einer Meinung sein, aber wir müssen über unsere Unterschiedlichkeit sprechen und vielleicht auch diskutieren können. Denn nur so haben wir die Möglichkeit uns wahrhaftig zu sehen und zu verstehen und das ist es doch, was uns wirklich vorwärts bringt, was wahre Gemeinschaft ausmacht.

Ich bin ein Mensch, dem es wichtig ist Brücken zu bauen oder auch Brücken zu erhalten. Auch ich bin durchaus in der Lage eine sehr klare Meinung von einem Thema oder zu einem Menschen zu haben. Doch meist dauert es nicht lange und ich möchte verstehen was „die andere Seite“ ausmacht, was sie antreibt. Ich kann doch ein Bild nicht nur aus einer Perspektive betrachten. Es gibt dabei so viel zu beachten, unabhängig davon ob mir das Motiv gefällt oder nicht:

Unter welchen Bedingungen hat der Künstler das Bild gemalt.
Wie war die Situation als er es malte. Was geschah zu dieser Zeit in seinem Leben? Wie alt war er? Welche Lebenserfahrungen hat er bereits gemacht?
Welche Farben hat er benutzt? Ist die Farbe, die ich hier sehe noch im Originalton oder ist sie nachgedunkelt/ausgebleicht?
Habe ich wirklich alles auf dem Bild entdeckt, was es zu entdecken gibt, auch wenn es noch so klein ist?
Welche gesellschaftlichen Konventionen galten zu der Zeit als es gemalt wurde? Was war der damalige Stand der Wissenschaft? Was sah man als gegeben an?
Weiß ich unter welchen Lichtverhältnissen das Bild gemalt wurde? Wenn nein, habe ich es dann unter mehreren möglichen Bedingungen betrachtet?
Man kann diese Liste noch lange weiterführen.

Das was ich hier oben versuche anhand eines Bildes zu beschreiben, entspricht so ziemlich meiner Art zu denken und die Welt und die Menschen zu sehen. Ich kann und ich will das nicht abstellen, denn das bin ich. Und je älter ich bin, desto schwerer fällt es mir auch so zu tun, als wäre ich nicht so, nur um des lieben Friedens willen, der halt aber tatsächlich keiner ist. Denn nur weil etwas friedlich scheint, ist es noch lange nicht harmonisch.

Ich denke, sehe und fühle anders wie viele andere Menschen, dass macht mir das Leben oft schwer und kompliziert, so wie auch gerade im Moment. Zugleich eröffnet mir dieses Anderssein aber einen Zugang zur Welt, denn ich genau so haben möchte. Den ich brauche um das Große und Ganze, zumindest in kleinen Teilen zu verstehen, um der „Ordnung der Welt“ oder der „Weltenseele“ wie Paolo Coelho es nennt, ein kleines Stückchen näher zu kommen, denn eines weiß ich sicher:

Jedes Geschöpf ist mit einem anderen verbunden, und jedes Wesen wird durch ein anderes gehalten.“

und

„Letztlich sind wir hier, weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt. Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und im Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht. Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es keine Geborgenheit. Solange er sich fürchtet durchschaut zu werden, kann er weder sich noch andere erkennen – er bleibt getrennt.
Alles ist mit Allem verbunden.“

(beide Zitate stammen von der Heiligen Hildegard von Bingen)

Impuls für die erste Woche

Der erste Schritt….

…mit dem fängt alles an.

Eigentlich ganz einfach, und manchmal doch so unglaublich schwer.

Wer kennt sie nicht, die Situationen, in denen es „nur“ den ersten Schritt bräuchte.

  • etwa nach dem Streit mit dem Ehemann, der Ehefrau, dem besten Freund, der besten Freundin, dem Sohn, der Tochter, der Kollegin, dem Kollegen, dem Chef….
  • etwa, wenn man weiß, dass ein Weg zu Ende gegangen ist, egal ob das die Arbeitsstelle, eine Beziehung, oder auch den Ort an dem man aufgewachsen ist betrifft.
  • etwa, wenn die Kinder groß werden und die erste Trennung ansteht, sie in den Kindergarten, die Krippe gehen; wenn sie erwachsen werden und es Zeit wird sie immer mehr los-, und ihre eigenen Wege gehen zu lassen.
  • etwa, wenn für einen jungen Menschen ein neuer Lebensabschnitt beginnt, er die Schule beendet hat und nun entscheiden muss wohin es fortan gehen soll.

…die Liste lässt sich beliebig erweitern. Ich denke, jeder von uns kennt solche Situationen.

„Jede Reise beginnt mit einem kleinen Schritt“, wusste schon Konfuzius im antiken China. Wohin sie uns führen mag, das wissen wir oft nicht, und das macht diesen ersten Schritt auch oftmals so schwierig für uns. Es gibt keine Garantie, dass er uns zum Erfolg, zu Erfüllung, zum erträumten Ziel führen wird.

Aber eines ist sicher: Er WIRD uns zu einem Ziel führen.

Es mag abweichen vom ursprünglich geplanten, mag sich geändert haben im Laufe des Weges, aber vielleicht erreichen wir gerade dadurch noch viel mehr, als wir uns jemals hätten vorstellen und erträumen können.

Darum, lasst uns losgehen. Und vielleicht fällt uns der erste Schritt ein wenig leichter, wenn wir uns die Worte Hermann Hesses ins Bewusstsein rufen, der sagt:

„Jedem Anfang, wohnt ein Zauber inne,

der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Einladung für die erste Woche der Fastenzeit:

  • Möglicherweise gibt es einen ersten Schritt in deinem Leben, der schon länger darauf wartet getan zu werden. Vielleicht findest du ja diese Woche den Mut ihn zu tun!
  • Vielleicht begegnet dir eine Situation in deinem Alltag in der ein erster Schritt wichtig und notwendig wäre. Wenn es in deiner Möglichkeit liegt, tue in.

Fastenzeit 2022

40 Tage Abenteuer – Eine Einführung!

Ich habe eine ganze Weile nachdenken müssen darüber was ich von dieser Fastenzeit möchte, wie ich sie gestalten kann, so dass sie für mich stimmig ist und passt.
Oftmals ist uns viel zu schnell klar was es heißt die Fastenzeit: Ja, dann essen wir jetzt eben 40 Tage keine Süßigkeiten mehr

…außer vielleicht Sonntags, denn der Sonntag ist ja kein Fastentag! Und eigentlich beginnt der Sonntag in der kirchlichen Tradition ja auch schon am Vorabend, also am Samstag… hmm… also kann ich eigentlich auch schon am Samstag Abend beginnen Süßkram und Chips zu essen. Aber unter der Woche! Ja, unter der Woche halte ich das durch…. außer natürlich jemand bietet mir etwas an, denn dann ist es ja schier unhöflich das abzulehnen. Auch wenn jemand Geburtstag hat esse ich natürlich ein Stück Kuchen, das gehört sich ja so!…

Ich denke wir kennen sie alle, diese und ähnliche Gedanken, mit denen wir uns gut durch die Fastenzeit mogeln. Ich selber nehme mich da nicht aus. Natürlich fasten wir und sicher werden wir auf das eine oder andere Rippchen Schokolade verzichten, und das ist gut so, denn auch einmal bewusst auf etwas zu verzichten in unserer Wohlstandsgesellschaft, sei es das Mobiltelefon, die Schokolade, die Chips oder der Alkohol, ist wichtig und richtig um wieder ein Gefühl dafür zu bekommen wie gut es uns geht und welch Glück wir haben in einem solch reichen Land wie Deutschland zu leben.

Aber letzten Endes denke ich, die Fastenzeit will noch mehr von uns.

Was genau bedeutet die Fastenzeit für uns Christen überhaupt? Woher kommt sie? Was wird von uns als „guten Christen“ erwartet? Ist es tatsächlich der alleinige Sinn der Fastenzeit 40 Tage keinen Schokoriegel mehr anzufassen? Die Chipstüte zuzulassen und sich das gelegentliche Glas Rotwein oder Bier zu verbieten? Ich denke nein.

Die Fastenzeit mit ihren 40 Tagen hat, zumindest für mich, noch eine weit wichtigere Bedeutung!

Sie soll uns erinnern, an die 40 Tage, die Jesus unmittelbar nach seiner Taufe in der Wüste verbracht hat, weil „der Geist ihn dorthin führte“,wie es in der Bibel heißt.

Was genau Jesus in diesen 40 Tagen dort tat wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist, dass diese 40 Tagen sein Leben wohl auf den Kopf gestellt haben und er irgendwann in dieser Zeit beschloss dem Ruf Gottes und seiner Berufung zu folgen.
Sein Leben als Prediger und Prophet begann. Mit allen Konsequenzen.

Zurück zu der Frage: Was bedeutet Fastenzeit eigentlich? Warum ist sie wichtig? Und ist sie auch wichtig für mich? Ich denke ja. Vielleicht sollten wir aufhören die Fastenzeit als etwas zu sehen, was uns begrenzen, bestrafen und kasteien will.
Vielmehr sollten wir beginnen sie als Weg hin zu mehr Leben zu betrachten.

Ja, ich weiß, das Bild des Weges ist, schon ziemlich ausgelutscht, ständig soll man einen gehen. Den Weg der Erkenntnis, den Weg der Erleuchtung, den Weg in unser Innerstes, den Weg der Ahnen, den Pfad der Tugend… und was es nicht alles für Wege gibt.

Aber trotzdem ist das Bild des Weges für mich das Stimmigste.

Die Fastenzeit als Weg, hin nach Ostern. Als MEIN Weg, hin zum Leben.

MEIN Weg.

Ich denke dieser Aspekt ist hier sehr wichtig, denn wir haben zwar alle das gleiche Ziel und wir werden uns an unterschiedlichen Punkten dieses Weges vielleicht mal begegnen und uns über das austauschen, was wir erlebt und „gesehen“ haben, aber gehen, wird jeder von uns diesen Weg für sich.

Und das WIE, bleibt jedem von uns selbst überlassen.

Wichtig ist: Es gibt kein richtig oder falsch. Wichtig ist es in Bewegung zu bleiben, das Ziel fest vor Augen, aber jeder geht in seinem Tempo, mit den Hilfsmitteln die er braucht und mit der Intensität, die er leisten kann und möchte. Alles Kann, nichts Muss!

Grundsätzlich gilt: Geh deinen Weg mit offenen Augen und offenem Herzen. Nimm dankbar an, was dir geschenkt wird, sieh und höre aufmerksam auf das was dir auf deinem Weg gezeigt und erzählt wird. Und wenn du irgendwo festhängst und das Gefühl hast es geht nicht mehr, dann ruf um Hilfe! Dafür gibt’s Magnesium, heißen Tee, Rettungsseile und im Notfall auch die Bergwacht 😉

Aber nun noch eine ganz konkrete Idee wie man die Fastenzeit konkret gehen kann:

Ich begebe mich auf eine Abenteuerreise und wer mich auf dieser begleiten will ist herzlich eingeladen!

Das Ziel ist klar => Ostern

Die Dauer ist klar => 40 Tage

Die Ausrüstung ist klar:

  • Eine Kerze oder auch mehrere Teelichter,
  • einen Ort, an dem wir Dinge ablegen können, die uns vielleicht wichtig geworden sind und die dort bis Ostern gut liegen können
  • evtl. ein Notizbuch, falls wir uns etwas aufschreiben möchten
  • das Smartphone oder der Computer

Was uns begegnen wird? => Keine Ahnung. Wenn ich’s wüsste, wär’s ja kein Abenteuer mehr 😉

Zur praktischen Durchführung:

Ich werde hier ab kommenden Samstag, jeweils am Samstag Abend einen Impuls online stellen, der uns in der darauffolgenden Woche auf unserer jeweiligen Etappe begleiten soll oder besser gesagt, kann.
Wie gesagt, alle meine hier veröffentlichen Impulse sind eine Einladung darüber nachzudenken und sie mit in den Alltag zu nehmen, es besteht keinerlei Verpflichtung zu irgendetwas. Manchmal begegnet einem, wenn man offenen Auges geht, auch etwas ganz anderes, was viel stimmiger zu sein scheint. Dann nehmt gerne diesen Impuls zur Hilfe!

Ein spiritueller Wanderweg hat oft seine eigenen Regeln und Gesetze.

Sollte es Gesprächsbedarf geben, weil euch etwas nicht loslässt oder besprochen werden muss, und ich niemanden findet, der euch dabei helfen kann, dann meldet euch gerne bei mir.

Ich möchte hier gerne nochmal meine letzten Worte der Einführung wiederholen:
Grundsätzlich gilt: Geh deinen Weg mit offenen Augen und offenem Herzen. Nimm dankbar an, was dir geschenkt wird, sieh und höre aufmerksam auf das was dir auf deinem Weg gezeigt und erzählt wird. Und wenn du irgendwo festhängst und das Gefühl hast es geht nicht mehr, dann ruf um Hilfe! Dafür gibt’s Magnesium, heißen Tee, Rettungsseile und im Notfall auch die Bergwacht 😉

Nun möchte ich noch ein paar Sätze zu einem möglichen Tagesablauf während dieser 40 Tage sagen.

Jeder von uns ist gut beschäftigt mit Arbeit, Haushalt, Familie etc…. Das ist vollkommen klar und normal. Das es da an den meisten Tagen eher nicht möglich ist sich auszuklinken um tiefenentspannt und hochkonzentriert etwas Hochgeistlichem nachzuspüren, versteht sich von selbst. Aber das setze ich auch gar nicht voraus, denn genau dieser Alltag mit seinen stressigen und lustigen Momenten, mit seiner Ruh- und Rastlosigkeit und seiner Betriebsamkeit ist es ja, der den Weg der Fastenzeit zum Abenteuer macht.

Dennoch wäre es schön, wenn wir es schaffen würden, in diesem Weitergehen des normalen Alltags, den Morgen besonders zu beginnen und den Abend besonders abzuschließen. Damit geben wir dem Ganzen einen Rahmen und schaffen so ein Bewusstsein für die Besonderheit der vor uns liegenden Tage und Etappen.

Dabei kann es helfen Rituale zu schaffen.

Möglich wäre hier beispielsweise, den Morgen mit einem bewussten Aufrichten zu beginnen. Oftmals stehen und gehen wir sehr gebeugt. Niedergedrückt von den vielen Pflichten, Sorgen, Ängsten und Verpflichtungen die anstehen. Vielleicht schaffen wir es ja in den kommenden 40 Tagen uns jeden Morgen, wenn wir aus dem Bett steigen, bewusst aufzurichten, dreimal tief durchzuatmen und den Tag so, mit aufrechtem Gang, gestrafften Schultern und erhobenem Haupt zu beginnen.

Beenden könnten wir den Tag dann zum Beispiel damit, dass wir eine Kerze anzünden und ein paar Minuten den Tag Revue passieren lassen. Was ist alles passiert. Was war gut, was weniger. Vielleicht möchtest du auch jeden Tag einen oder mehrere Glücksmomente sammeln oder Dinge in dein Notizbuch schreiben, für die du dankbar bist.

Von Ignatius von Loyola stammt der Ausspruch: „Gott suchen und finden in allen Dingen“.

Ich glaub das trifft das, was wir nun tun wollen in den kommenden Tagen, auf dem Weg nach Ostern, ganz gut. Offen sein für das was kommt, für das was uns an Göttlichem begegnet. Um uns herum und in uns selbst.

Manchmal wird es uns vielleicht gut gelingen, manchmal auch nicht.

Und beides ist in Ordnung, denn alles kommt zu seiner Zeit.

In diesem Sinne nun: Auf ins Abenteuer.